Bergwandern in den Tiroler Alpen

Blick auf den Drachensee, die Coburger Hütte und dahinter die Ehrwalder Sonnenspitze mit 2417 Metern. Foto mit freundlicher Genehmigung von Bernd Edelmann

Wen(n) der Drachensee ruft

In die Mieminger Berge zu zwei schönen Seen

Dieses Foto vom Drachensee inspirierte Karin, unsere Wanderfreundin, zu unserer Tageswanderung von Ehrwald in Tirol zur Coburger Hütte in den Mieminger Bergen. Die Tour war nicht ohne: Unsere Kondition war bei 950 Höhenmetern und sechs Stunden Dauer gefordert. Dafür wurde unsere Anstrengung belohnt mit einer Rast am idyllischen Seebensee (1657 m) und weiter oben auf der Coburger Hütte (1917 m) mit einem Panoramablick auf den von steilen Bergen umragten Drachensee (1874 m). 

Bergseen üben eine besondere Faszination aus. Schon bei einer meiner ersten Solowanderungen zur Rotwand über den Soinsee anno 1992 war ich begeistert von diesem tollen Bergsee im Mangfallgebirge. Das Magazin „Servus“ hatte im Juli 2013 einen achtseitigen Artikel über einige Bergseen als „Spiegel der Alpen“ gebracht. Im Juni erhielt ich nun von Karin, einer Wanderfreundin, eine Mail mit einem schönen Foto vom Drachensee (siehe oben) und ihrem Vorschlag, dorthin eine Wanderung zu unternehmen. Ein Foto sagt oft mehr als 1000 Worte.

So brachen wir an einem heißen Junitag zu viert im Auto von München Richtung Garmisch-Partenkirchen über den Grenzübergang Griesen nach Ehrwald auf. Startpunkt unserer Bergtour war der Parkplatz an der Ehrwalder-Alm-Bahn. Von hier aus kann – wer mag – erst mal gemütlich bis auf 1500 m bis zur Ehrwalder Alm hochfahren. Wir entschieden uns für die härtere Variante: zu Fuß, per pedes.

Zur Ehrwalder Alm kann man mit der Seilbahn hochfahren oder in einer knappen Stunde von der Talstation laufen. Foto: Karin Mager

Drachensee und Drachenkopf – alles nur ein alter Zopf?

Warum der Drachensee so heißt, konnte mir auch eine Einheimische nicht beantworten. Eine interessante Erklärung lieferte der Film „Alpenseen – Stille Schönheit“ (3 SAT, 4.7.2017):

„Noch vor 400 Jahren galten die Hochgebirgsseen als Brutstätte für Drachen und Bergungeheuer.
Und tatsächlich kommen jedes Frühjahr ‚Drachen‘ an diese Gewässer – wenn auch recht kleine: Bergmolche. Im strahlend blauen Paarungskleid sind sie die auffälligsten Bewohner der Bergseen.“

Vielleicht ist es auch nur so, dass der Drachensee seinen Namen nach dem benachbarten Drachenkopf bekam. Heute leben im See kanadische Saiblinge, die hier vor vielen Jahren ausgesetzt wurden und die Molche, also die kleinen Drachen, und deren Larven wahrscheinlich schon erheblich dezimiert haben. Wie dem auch sei, was sich in dem 28 Meter tiefen Drachensee abspielt, bleibt den meisten Wanderern verborgen. Wenngleich die Idylle im See also trügerisch ist, offenbart sich seine zeitlose Schönheit allen.

Zwischenstation mit Rast am Seebensee

Die Idylle am Seebensee auf 1657 m lädt zur Verschnaufpause ein. Hier stehen sogar Abfalltonnen für Glas, Plastik und Metall.

Apropos Idylle: Bis zum Seebensee  waren selbst bei unserer Tour unter der Woche viele flotte Biker unterwegs. Die Tiroler Zugspitz Arena gehört zu den bekannteren Stätten des Mountainbike-Zirkus. Mit einer Vielzahl von Fahrtechnik-Camps und MTB-Events bietet die Region auch vieles, was das Radler-Herz begehrt. Dazu noch Erlebniswege, Naturlehrpfade, einen Sport- und Freizeitpark und sogar einen Streichelzoo.

Eine Alm ist kein Streichelzoo!

So schön die Gegend auch ist, so überlaufen kann sie sein. Bevölkert ist sie aber nicht nur mit Wanderern und Bikern, sondern auch mit Kühen. Für Wanderer, die eine Alm mit einem Streichelzoo verwechseln, hat die Landwirtschaftskammer Tirol einen „Lehrfilm“ produzieren lassen, der vor Kuhattacken schützen soll.

 

Vom Drachensee zum Wasserdrachen

Die zweite Etappe vom Seebensee (1657 m) bis zur Coburger Hütte (1917 m) hat es nochmal in sich. Steil geht es den Berg in Serpentinen hoch. Doch der Drachensee ruft – nicht nur Karin, die ja selbst im chinesischen Jahr des „Wasserdrachen“ geboren ist. Ob sie das selbst wohl weiß und uns nur nicht verraten hat?

Aufgrund ihres Geburtsdatums habe ich diesen Zusammenhang „zufällig“ herausgefunden, weil ich wissen wollte, warum es Karin so stark zu diesem Drachensee zog. Manchmal bewegen uns aus den Tiefen unseres Unbewussten unergründliche Motive zum Handeln, von denen wir selbst nichts ahnen. Und auch wenn ein Bild oft mehr als 1000 Worte sagt, dem Gesetz der Anziehung oder dem Gesetz der Resonanz kann sich keine(r) entziehen. So verdanken wir diesem wundersamen Gesetz alle vier einen wunderbaren Wandertag in den Mieminger Bergen.

 

Nach Ehrwald auf 1000 m mussten wir von 1917 m auch wieder hinunter und zwar den selben Weg, den wir hochgegangen waren.

 

Weiterführende Information

Im Internet gibt es zahlreiche, mehr oder weniger detaillierte Wegbeschreibungen dieser Tour.
Informativ und witzig ist der Beitrag „Das Tiroler Loch Ness – Tour zu Drachenkopf und Drachensee“ in der Reihe „Tierisch schöne Touren“, siehe hier: BR.de/Rucksackradio

Eine inspirierende Fotostrecke über Die 25 schönsten Bergseen der Alpen

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Karin Mager
Gast
Liebe Jutta, lieber Reinhold, gern erinnere ich mich an die Wanderung mit euch zu diesem Traumziel. Anstrengend war’s und doch wunderschön! Das nächste Mal nehme ich doch lieber die Seilbahn. Dann wäre noch mehr Zeit, diese schöne Landschaft zu genießen und am Schluss zum Drachensee selber abzusteigen, den wir so nur von der Coburger Hütte aus auf uns wirken ließen. Am Wochenende würde ich diese schöne Wanderung aber gewiss nicht machen. Es waren schon unter der Woche jede Menge Leute unterwegs. Dass ich im Jahr des Wasserdrachens geboren bin, wusste ich nicht. Was lese ich da: “ Mit mehr Aufgeschlossenheit… weiterlesen »
Dr. Rolf Frederking
Gast

Dein neuester Beitrag hat in mir lang zurück reichende Erinnerungen ausgelöst: Bereits in den 70er-Jahren war ich schon mal an der Coburger Hütte mit Übernachtung. Damals waren wir mit einer DAV-Wandergruppe unterwegs. Sehr eindrucksvoll erhebt sich ja die Sonnenspitze, die mich schon immer – schon etliche Male früher – immer wieder beeindruckte. Übrigens kommt der Seebensee in einem Roman von Ludwig Ganghofer, ich glaube „Das Schweigen im Walde“, vor. Diesen las ich vor vielen, vielen Jahren.

Tina
Gast

Danke für den netten Artikel – auch wegen dem Kuhvideo – herzhafter Lacher am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen:-)

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