Fischland-Darß-Zingst

Fischland-Darß-Zingst

Halbinsel zwischen Ostsee und Boddenlandschaft
Ein Dorado für Radler, Naturfreunde und Kunstliebhaber

„Moin“ – grüßt uns der ältere Herr freundlich. „Guten Morgen“, kann das wohl nicht heißen, denn es ist bereits spät am Nachmittag. „Moin“ hatte mir zu gleicher Tageszeit auf dem Weg zwischen den Ostseebädern Prerow und Zingst ein Herr vom Fahrrad aus zugerufen. Hier auf dem vier Kilometer langen Naturerlebnis-Rundweg am Leuchtturm Darßer Ort am nördlichsten Zipfel der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern sind wir zur Abwechslung mal zu Fuß und nicht mit Rad unterwegs. So nutze ich die Gelegenheit, frage nach und erfahre. „Hier in Norddeutschland grüßt man so den ganzen Tag. ‚Moin‘ bedeutet ‚Gut Wind‘.“

Natur Natur sein lassen

Der Leuchtturm Darßer Ort. Unten im Café gibt es ein erfrischendes Getränk: die Bodden Bowle.

Wind hat es hier oben an der Ostseeküste oft mehr als genug. Eine steife Brise empfing uns schon vorher auf der Plattform des 35 Meter hohen Leuchtturms Darßer Ort, von der wir einen herrlichen Rundblick auf den Darßer Wald und das Meer hatten.

Nebenan im Natureum, einer Außenstelle des Deutschen Meeresmuseums Stralsund, zeigt die Ausstellung „Landschaften und Naturschutz rings um das mare balticum“, wie schnell die Küste ihr Aussehen verändert: Nirgendwo an der Ostseeküste vollziehen sich Landabtragung und Landbildung so dynamisch wie im „Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft“.

Nirgendwo sonst liegen Steilufer und Flachküste, Landzungen und Strandseen, Bodden, Dünen, Wälder, Moore, Salzwiesen und Schilfgürtel so dicht beieinander. „Natur Natur sein lassen“ ist das Motto der Nationalparks.



Fischland, Darß und Zingst waren einst Inseln, die im Laufe der Jahrhunderte durch den Einfluss von Wind und Wasser zu einer Halbinsel verschmolzen. So entstanden die Bodden, ehemalige Meeresbuchten mit einem Gemisch aus Salz- und Süßwasser, so genanntes Brackwasser, die heute weitgehend von der offenen Ostsee abgeschnürt sind. Nach der verheerenden Sturmflut von 1872 schloss man die letzten Zugänge zum Meer. Die drei Bodden – Saaler Bodden, Bodstedter Bodden und Barther Bodden – sind wie Perlen auf einer Kette aufgereiht und fischreich.

Empfehlenswert ist eine Bootsfahrt auf den Bodden entlang farbenfroher Häuser mit Reetdächern. Sogar asiatische Wasserbüffel sind im Sommer auf den Weiden zu sehen, manchmal sogar im Wasser schwimmend.


Naturerlebnisweg Darßer Ort

Durstig von so viel trockener Information gönne ich mir im Innenhof-Café, das nur für Besucher des Natureums zugänglich ist, ein Glas „Bodden Bowle“ mit Holunderblüten, mittlerweile Kultgetränk an der Ostsee. Dank der fünf Prozent Alkohol spaziere ich leicht beschwingt auf dem Rundweg: zunächst auf einem Holzbohlensteg, der durch die Kernzone des Nationalparks mit seinen streng geschützten Dünen führt, und genieße die Stille und Weite der Landschaft. Die letzten paar hundert Meter geht es am Weststrand entlang wieder zum Leuchtturm.

Bernstein finde ich am Strand zwar keinen, dafür drei Lochsteine, auch „Hühnergötter“ genannt: Die Feuersteinknollen aus der Kreidezeit weisen durch das Herauswittern fossiler Tier- und Pflanzenreste ein natürliches Loch auf. Sie sollen – so der Volksglaube – den bösen Blick abwehren, Gesundheit und Glück bringen. Hängte man sie in den Hühnerstall, hofften die Altvorderen, dass die Hühner gesund blieben – daher ihr Name. Hingen sie am Bett von Wöchnerinnen, sollte das böse Geister fernhalten. Goss man Milch durch das Loch, würde sie länger frisch bleiben. Als Hünergott (ohne „h“), Drudenstein oder Schrattenstein wurden diese Steine auch mit Hünengräbern in magische Verbindung gebracht. Mich faszinieren Form und Farbe der Steine − vielleicht verdanke ich das auch nur meinem „Altvorderen“, der Steinmetz war.



Mit den archaischen Glücksbringern im Gepäck radeln wir durch den Darßer Wald zurück zu unserem Domizil im Künstlerort Ahrenshoop, vorbei an farbenfrohen Häusern mit Reetdächern und schönen Darßer Türen. Und auch der Wettergott ist uns an diesem Abend wohl gesonnen, denn er schickt uns nur ein laues Lüftchen von achtern. „Moin moin“.

 

 


Weitere Informationen

www.fischland-darss-zingst.dewww.ahrenshoop.de
www.kunstmuseum-ahrenshoop.de
www.ostseebad-prerow.de
www.darss.org
www.zingst.de
www.nationalpark-vorpommersche-boddenlandschaft.de
www.ostsee.de/strandfunde-fundstuecke/huehnergott.html

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