Baden mit und ohne...

 

Therme Erding


Südseeflair unter weiß-blauem Himmel

 

 
 

 

 

 

 

 

 

Feste soll man feiern wie sie fallen. Am Weltfrauentag feierte auch Reinhold, mein Webdesigner, seinen Geburtstag. Das Geschenk an ihn (und an mich): eine Auszeit in der Therme Erding rund 30 Kilometer nordöstlich von München. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts. Gleich vorweg: Für uns Thermen-Newbies war es fast schon paradiesisch, inmitten von 450 Großpalmen in eine riesengroße und fast chlorfreie Wasserwelt - das Wasser wird hauptsächlich mit Ozon gereinigt - einzutauchen, sich auf Poolnoodles im warmen Wellenbad treiben zu lassen, bei einer Duft- und Klangreise zu schwitzen, in der Paradise Lounge zu relaxen und sich dann im Hafen-Restaurant zu stärken. 

Baden mit und ohne

Die Therme Erding liegt ca. 30 Kilometer nordöstlich von München im Erdinger Moos. Ihre Gesamtfläche beträgt 185.000 Quadratmeter.

Eine Thermenlandschaft - so groß wie 12 Fußballfelder - mit 27 Becken, 26 Saunen und ebenso vielen Wasserrutschen an einem Tag zu erkunden, ist kaum möglich, geschweige denn alles auszuprobieren. Einige Male habe ich mich im Tropenparadies sogar verlaufen, aber dank meiner roten "Chip-Uhr" mit Kleiderspind-Nummer am Handgelenk immer wieder zurück gefunden. Apropos Kleider: Eine erste Orientierung in der oberbayerischen Therme ist die Unterscheidung in zwei große Bereiche: den mit und den ohne Badekleidung. Mit ist in der Therme, dem Wellenbad und Rutschenbereich sowie in der VitalOase erwünscht. Textilfrei baden und schwitzen kann man in der VitalTherme mit ihren vielen Saunen.

   Das Wellenbad, eines von 27 Becken, ist von Hunderten Palmen umsäumt.
Links die Fassade des Hotels Victory.

Mandelblüten: Frühlingsduft liegt in der Luft

Die Autorin und Thermen-Newbie im kleinen Schwarzen und mit Mandelblüten-Maske.
Auch für Männer sind Masken eine Wohltat.

Züchtig angezogen im schwarzen Strandkleidchen über neuem Bikini begebe ich mich zur Gesundheitsbar gleich neben dem Blüten-Pavillon, eine von 26 Saunen. Hier stehen vier Maskensorten zur Auswahl. Nicht die Heilkreide-Honig-Maske, die einzige selbst angerührte aus Rügener Heilkreide, auch nicht die Wellness-Maske und das Salzpeeling machen mich an. Ich entscheide mich für die rosafarbene Paste aus Mandelblüten, die reifere Haut zart und geschmeidig halten soll. Der zarte Duft erinnert mich auch an den nahenden Frühling und die Mandelwochen im März und April in der Pfalz, woher ich stamme. Diesen Maskenservice gibt es in der Therme Erding jeden Tag gratis bis 21 Uhr.

Mit einem Frucht-Cocktail in die Ruhe-Oase

Ein Cocktail an der Poolbar - das nächste Mal machen wir es auch so.

Mit rosig-frischer Gesichtshaut erkunde ich das Terrain weiter, nehme Geräusche und Gerüche wahr, sehe kleine und große Zweibeiner, auch viele gut beleibte. Für alle - mit und ohne Übergewicht - ist der Auftrieb, das Gefühl der Schwerelosigkeit im warmen Wasser, erholsam und entlastend zugleich. Meine Augen bleiben an einer Poolbar im Wasser hängen. Ob mein Begleiter zum Geburtstag einen Drink mag?

Die Dame in der Poolbar deutet auf meine rote „Chip-Uhr“, die sie für die bargeldlose Abrechnung braucht. Vorsichtig balanciere ich immer noch im kleinen Schwarzen am Beckenrand zu ihr, ebenso vorsichtig mit alkoholfreiem Mango-Cocktail für 5,50 Euro wieder zurück. Bisher haben nur meine Füße das warme Nass zu spüren bekommen. Die nahe gelegene Ruhe- und Massage-Oase kommt jetzt gerade richtig. Hier ist es still, hierhin ziehen wir uns auf eine Liege zurück und süffeln das süße Zeug mit Blick ins vorfrühlingshafte Grün. Hier probiere ich auch die Infrarotkabine aus, die meinen Rücken angenehm wärmt und entspannt.

„Schwefel hat was Teuflisches“
Was ist nur mit unserer Energie los? Vielleicht sollten wir uns erst mal in einen der beiden Schwefeltöpfe draußen im Freien setzen. Reinholds ehemaliger Heilpraktiker und Homöopath war davon überzeugt, dass Schwefel was Teuflisches habe. Ich hatte schon mal am eigenen Leib erlebt, wie das Schwimmen im stark schwefelhaltigen Wasser des Istrischen Thermalbads „Istarske Toplice“ bei mir alle Sinne belebte und neue Kräfte weckte. Damals wusste ich noch nicht, dass 20 bis 30 Minuten im Schwefelbecken viel zu lang sind, aber das chemische Element energetisierte mich wohl so, dass ich eine Bahn nach der anderen schwamm.

Thermalheilwasser aus der Ardeo-Quelle

Im 39 bis 43 Grad heißen Schwefeltopf in der Erdinger Therme kann ich zwar nur sitzen, dafür ist die Tafel am Rand gut lesbar. Der zufolge entdeckte die Firma Texaco 1983 bei einer Ölbohrung in 2.350 Metern Tiefe die Ardeo-Quelle mit 63 Grad Celsius heißem fluorid- und schwefelhaltigem Wasser. Die Quelle befindet sich im Außenbereich der VitalOase direkt unter der Glaspyramide. Sie wurde vom bayerischen Umweltministerium im August 2003 als Heilquelle staatlich anerkannt. Laut Umweltministerium hat das Wasser in seiner chemischen Zusammensetzung eine positive Wirkung bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, Osteoporose sowie der Nachbehandlung von Gelenkoperationen. Die traditionelle Medizin empfiehlt es auch bei Hauterkrankungen, Arthritis und Rheuma.

Im Schwefeltopf ist Platz für zehn Personen ab 16 Jahre aufwärts.

Das Thermalheilwasser speist fast alle Bereiche der Therme Erding, die am 3.10.1999 eröffnet wurde, und wird auch dazu genutzt, sie umweltschonend zu heizen. Die Konzentration des gut sichtbaren und geruchsintensiven „Freien Schwefels“ ist in den Schwefeltöpfen am höchsten und bis zu 13mal höher als der durchschnittliche Wert für schwefelhaltige Heilquellen.

Muntermacher Schwefel
In den Schwefeltopf darf man erst mit 16 Jahren und sollte nur rund drei Minuten drinsitzen. Dieses Mal halte ich mich an die Verweildauer und bleibe anschließend umso länger im benachbarten Außenbecken mit Perlbad und Massagedüsen. Von hier aus schwimme ich ins 34 Grad warme Innenbecken, lasse mich im Strömungskanal treiben und bestaune die Wurzeln der darüber wachsenden Palme. Ein Schild weist darauf hin, dass es verboten ist, sich daran zu hängen. In einer mit Video überwachten Höhle lasse ich mir den Nackenbereich von den harten Strahlen der Wandduschen ordentlich massieren. Hier drinnen gefällt’s mir, es fühlt sich heimelig an. Draußen wiederhole ich nochmal die Sitzprozedur im Schwefeltopf und im Außenbecken und merke, wie mir neue Energie und Vitalität zufließen.

Rutschen über Rutschen, nur kein Preisrutsch

Weiter geht’s mit unserer Erkundungstour. Auf dem Weg zum GALAXY, einer relativ lauten Halle mit abenteuerlichen Rutschen für jede Alters- und Gewichtsklasse, passieren wir einen Eisstand - die Kugel für 1,60 Euro - und einen Kaffeestand - der kleine Cappuccino im Pappbecher für ebenfalls abenteuerliche 3,50 Euro. Ich staune über die Preise fast noch mehr als über die wagemutigen Rutschpartien.

Das Galaxy bietet von Kinderrutschen bis zur 60° steilen Kamikaze-Rutsche für jeden etwas, sogar Wettrutschen ist möglich.
Auch dem Chef, Jörg Wund, macht das Rutschen und Fliegen Spaß, wie man sieht.

Leinen los und rein ins Schiffshotel oder ins Wellenbad

Eyecatcher sind das Hotel Victory, dessen Fassade ein Nachbau der britischen HMS Victory darstellt, dem Flaggschiff von Vizeadmiral Nelson. Es hat 128 Zimmer bzw. Kapitäns-, Yacht- und Admirals-Kabinen und sieht auch innen wie ein Schiff aus. Daneben schließt sich ein venezianischer Palazzo mit stilvollen Arkaden an. Inmitten dieses gelungenen Arrangements wabert das Wellenbad, das zum Floaten einlädt. Ich mache es den anderen im Wasser nach und schnappe mir zwei blaue biegsame Pool-Nudeln, lege sie unter meine Achseln und genieße so den Wellengang. Reinhold, nicht nur mein Webdesigner, sondern auch mein Hausingenieur, klärt mich auf, dass die Wellen stehen, sich also nur auf und ab bewegen und nicht durch das Becken laufen. Mir ist das egal - Hauptsache, es bewegt sich was.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wellenbad im Ruhezustand dient auch als Kinosaal für CineWave:
Filme auf großer Leinwand vom Wasser aus erleben.

 

 

 

Wie ich später auf der Homepage lese, hat Josef Wund - er und sein Sohn Jörg sind Architekten und Geschäftsführer der Therme - über Jahre an einer Wellenform gefeilt, die in ihrer Höhe exakt zu steuern ist. Fünf verschiedene Wellenstärken sind einstellbar: von sanft wogend über „Fun Waves“ für Kinder und Familien bis zu der drei Meter hohen „Big Wave“. Bei einer maximalen Wellenhöhe von drei Metern verhält sie sich so, dass die Badegäste nicht mit den Glasbeckenwänden unsanft in Berührung kommen. Design und Sicherheit gehen Hand in Hand. Im Sommer muss es fantastisch sein, wenn die riesige, lichtdurchflutete Glaskuppel über dem Innenpool fast vollständig auffährt.

Eigentlich wäre nun Zeit für eine kleine Verschnauf- und Ruhepause, aber es dämmert bereits und wir haben noch nicht mal die VitalOase und die VitalTherme mit Saunen gesehen. Unterwegs werde ich Zeugin eines Poolquiz, das ich interessiert verfolge. Infotainment in der Therme - eine originelle Idee.

Zeremonien für Körper und Geist

Bei der Duftreise nach Italien war der Kugulus voll besetzt. Ich durfte als Letzte rein.

Nach einer Haarkur bei etwa 70° Celsius im Meditationshaus und einer Duftreise nach Italien im Kugulus, in dem es ebenfalls um die 70° Celsius heiß ist, steuern wir leicht überhitzt die VitalOase an, in die man erst ab 16 Jahre mit Badekleidung darf. Hier ist der Geräuschpegel deutlich niedriger und es geht beschaulicher zu. Die Ausstattung und das Flair muten asiatisch an. Wie angenehm wäre es, auf einer Liege zu entspannen und alle Viere genüsslich von sich strecken. Doch die VitalTherme mit ihren vielen Saunen ruft: das Finale Grande eines langen Tages.

Nackedeis only

In der VitalTherme gibt es die Römische Villa: In dem knietiefen, 34° Celsius warmen Pool läuft klassische Unterwassermusik.
Calla-Kaskaden: Aus überdimensionalen Blütenkelchen der Calla-Blumen fallen pro Sekunde 300 Liter kühles Wasser. Hier ist es sehr laut.

Jetzt geht’s an die Wäsche. Mein kleines Schwarzes samt Bikini muss runter. Denn Bekleidung ist in der VitalTherme nicht erwünscht. Wie gschamig ich mich auf einmal fühle. Wieso, weiß ich selbst nicht, wo ich doch im Sommer an meinem Lieblingssee mit dem Nacktbaden keine Probleme habe. Hier aber hänge ich mir den langen Bademantel züchtig über und binde ihn artig zu. Erst mal sehen, wie die Leute in der VitalTherme so sind. Manche kommen uns schon am Palazzo Veneziano und Canal Grande ganz lässig entgegen, mit nichts als einem offen stehenden Bademantel bekleidet. Gut, dass es draußen schon dunkel ist und die Therme nicht zu hell, sondern schön stimmungsvoll beleuchtet.

Der originalgetreue Nachbau des Privatpalastes des Dogen von Venedig - der Palazzo Veneziano - mit Schwimmbecken, dem 20 Meter langen Canal Grande. Mit seinem 26 bis 28° Celsius Thermalwasser bietet es moderate Abkühlung zwischen den Saunagängen.

Ladies only

Meine Begeisterung steigt, je weiter ich in diese textilfreie Landschaft vordringe. Wie wär’s zum Entree mit einem Geburtstagskuchen? Wir teilen uns eine „Mango Crispy Ecke“ für 3,90 Euro. By the way: Die Eiskugel kostet hier 1,80 Euro, 20 cent mehr als im Bereich für Angezogene. Die Vielfalt der Angebote erscheint mir noch größer, das Ambiente ist elegant, die Atmosphäre gefällt mir. Laut ist es nur im Calla Kaskaden Duschtempel, ansonsten herrscht gediegene Ruhe.
Es gibt sogar ein Terrain für „Ladies only“ mit zwei Saunen, einer Blüten-Suite und Relax-Suite. Ich zähle nicht mit, an wie vielen Saunen wir vorbeikommen, jede anders als die vorherige. Im Rosenpavillon, der letzten Sauna am Ende eines langen Ganges, möchte ich bei 80° Celsius nochmal schwitzen. Zum Relaxen gehen wir ins Alhambra, den maurischen Ruhebereich, und ins Paradise Lounge im ersten Stock. Thailändische Garküche gibt’s hier auch, gut zu wissen fürs nächste Mal. Für heute beenden wir unsere Erkundungstour und dinieren ganz profan einen Burger im Hafen Restaurant des Hotels Victory am anderen Ende der Thermenwelt.

"Warum in die Ferne schweifen..."

Manchmal muss man gar nicht weit fahren oder fliegen. Das Schöne liegt gleich um die Ecke. Es will nur entdeckt werden, auch wenn es bisweilen etwas länger dauert und einen Anstoß oder Anlass wie Weltfrauentag oder Geburtstag braucht. Seit 1999 gibt es die Therme Erding schon, bis 2016 haben sie rund 20 Millionen Menschen besucht. Wir sind an einem Tag viel gelaufen, haben trotzdem nur einen kleinen Einblick in dieses tropische Wellness-Paradies erhalten. Wir kommen wieder, an meinem Geburtstag im April oder zu einem anderen Event, vielleicht zu "Cirque du Paradis" oder der Karibischen Nacht. Sie wissen ja: Feste soll man feiern, wie sie fallen. Und auch wenn es mal nichts zu feiern gibt: Die Therme Erding ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet, sommers sogar mit offenen Dächern.


Copyright der Fotos, soweit nicht anders angegeben: THERME ERDING

Von München zur Therme Erding mit öffentlichen Verkehrsmitteln (MVV): Thermenwelt-Ticket.

Von Altenerding (S-Bahn) zur Therme Erding mit dem Bus.

Auch im Thermen-Paradies gibt es Regeln, die wichtigsten sind folgende:
- Handys, Laptops und das Fotografieren sind in der gesamten Anlage nicht erlaubt.
- Maximal 4 alkoholische Getränke pro Gast - je nach Aufenthaltsdauer.
- Bei übermäßigem Alkoholkonsum oder anstößigem Verhalten muss man die Anlage verlassen.

 

 

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