Ein Sommer in Dänemark

Was wohl die Bananen in der deutschen Flagge bedeuten sollen? 🙂

Deutschland einig Vaterland ?!

Ein Sommer in Dänemark und
was ich als Deutsche über Nationalstolz lernte

Fast zwei Monate von Juni bis August verbrachte ich in Nordsjælland in einem Ökodorf weit weg von Kopenhagen. Am befreiendsten war, dass ich die ganze Zeit keine Maske tragen musste, weder beim Einkaufen im Supermarkt noch im Lokal. Auch die Kellner zeigten offen ihr Gesicht. Corona war so gut wie kein Thema. Außer, dass ich ab und zu mal gefragt wurde, ob ich geimpft sei, was ich nach wie vor nicht bin und das auch bleibe. Da ich nicht Dänisch spreche und nur wenig verstehe, habe ich zwei Monate kaum fern gesehen, obwohl in Dänemark viele Sendungen untertitelt sind. Schon allein das hat unendlich gutgetan.

Dannebrog, die dänische Nationalflagge. Dänen sind stolze Patrioten.

Mein Gastgeber – sich selbst bezeichnet er als „Wikinger“ – ist ein Patriot (und nicht nur er) und stolz auf sein Vaterland. An seinem Wohnhaus weht, weit sichtbar für alle, Dannebrog, die dänische Flagge. Aber nicht nur bei ihm, sondern auch da, wo ich mit Fahrrad und zu Fuß unterwegs war, in den grünen Anlagen mit den reetgedeckten Sommerhäusern oder am Meer, überall ist das weiße Kreuz auf rotem Hintergrund zu sehen. Es begleitete mich wie ein visuelles Mantra, das ich so deute: „You are here in Denmark. We – the Danish people – are proud of our beautiful country. Be proud, too!”

Warum sind wir Deutsche nicht so patriotisch wie die Dänen?

Ich sprach mit dem Wikinger darüber, dass ich so viele Flaggen wie hier in Dänemark nur noch in der Türkei gesehen habe und das Zurschaustellen von Flaggen bei uns in Deutschland eher verpönt sei. Die Leute schämten sich, die deutsche Nationalfahne zu zeigen. Höchstens bei Fußballweltmeisterschaften schwingen sie Flaggen. Ab und zu entdeckt man auch mal eine versteckt an einem bayerischen Schrebergarten, so wie auf dem Aufmacherfoto oben – fast wäre ich daran vorbei geradelt. Als Deutsche/r, die/der sich als Patriotin bzw. Patriot zu erkennen gibt, gilt man schnell als nationalistisch und rechts von der Mitte stehend. Warum ist das so? Haben wir keinen Nationalstolz? Sind wir durch unsere Historie immer noch tief traumatisiert?

Der Wikinger antwortete mit einer Gegenfrage, die mich nachdenklich stimmte: Warum sind die Deutschen nicht stolz darauf, was sie schon alles geschafft haben? Sie sollten endlich mal ihre Vergangenheit abstreifen und dazu stehen, Deutsche zu sein. Nur so können sie die Gegenwart meistern und zuversichtlich in die Zukunft blicken. Vielleicht gibt es bei der jungen Generation ja einen Bewusstseinswandel…

„Ich will sie mal aufklären. Sie haben eine Jungkommunistin,
eine überzeugte Jungkommunistin zur Kanzlerin gewählt.
Ist Ihnen das überhaupt klar?“

Oskar Lafontaine zum damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein

Erst jetzt, drei Wochen nach meiner Rückkehr, finde ich  auf meine Frage „Warum sind wir Deutsche nicht so patriotisch wie die Dänen?“ eine weitere plausible Erklärung in einer kritischen Verlagsbroschüre. Titel des Buches „16 Jahre Angela Merkel. Die Bilanz eines Zerstörungswerks“.

Was ich nicht wusste und wohl auch viele andere nicht, ist, dass Angela Merkel ein gespaltenes Verhältnis zu Deutschland und zur schwarz-rot-goldenen Bundesflagge hat(te), die sie bei ihrer Wiederwahl am 22. September 2013 (vor genau acht Jahren) vor aller Augen und Kameras auf der Bühne verschwinden ließ. „Merkel wirft deutsche Flagge weg“ ist hier zu sehen: Video 1 und Video 2. Wenn schon die deutsche Bundeskanzlerin nicht voll und ganz hinter „ihrem“ Land und seinem Staatssymbol steht, wie sollen es dann die Menschen?

Grenzüberschreitende Reisen führen zu Erkenntnissen

Manchmal braucht es Jahre oder sogar Jahrzehnte, um zu einer späten Einsicht zu gelangen. Grenzüberschreitende Reisen, schon allein in Nachbarländer wie Dänemark, können zu Erfahrungen und damit auch zu tiefer gehenden Erkenntnissen führen.

Ein aus Bulgarien stammender alter Freund, den ich Mitte der 1980-er Jahren an der Schwarzmeerküste kennenlernte, der schon lange in Berlin lebt und sich in Deutschland einbürgern ließ, schrieb mir auf meinen vorletzten Artikel:

„Ich leide mit dir und noch viel mehr, denn Ich kam aus der Diktatur in die Freiheit, genoss diese ca. 25 Jahre, durfte „Gorbi, Gorbi“ rufen am 07.11.2014 und Gorbatschow die Hand schütteln, und dann, dann schickte frau mich langsam auf dem Weg zurück, wo ich hergekommen bin. Erst jetzt kannst du das verstehen, erst jetzt haben wir GLEICHSTAND! Nun können wir auf Augenhöhe über Freiheit reden.“

Hoffen wir, dass von „Deutschland – einig Vaterland“ doch noch etwas übrig bleibt!

Am 15.9.2021 auf Facebook

 

2 Gedanken zu „Ein Sommer in Dänemark“

  1. Glad to hear that you are well and that you have had a relaxing, freedom filled summer. We (here in the USA) used to be proud and one saw flags everywhere. Not so much anymore. It is a different place with a different feel all of a sudden.
    Stuart

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