Abenteuer-Reisen: Go East!

Dieter Scholz, Veranstalter der Abenteuerrallyes mit alten Autos. Foto: © Dieter Scholz

Auf Abenteuertour durch den unbekannten Osten
Als Frau im Konvoi von München nach Tadschikistan

Im Jahr 2000 überführten ein Freund und ich (Jutta Keller) zwei Autos von München nach Rom: er einen Mercedes, ich einen VW Golf. Bis auf eine kurze Pause fuhren wir die 900 Kilometer in einem Rutsch durch. Nach Abgabe der Autos schauten wir uns Rom an und nahmen dann den Zug zurück nach München. Für mich war das eine Meisterleistung, da ich sonst nur selten selbst am Steuer sitze und auch noch nie ein Auto besessen habe, nicht mal ein altes. Im Vergleich zu einer Fahrt nach Tadschikistan war dies zwar nur ein kleiner Ausflug, dennoch positiv für mein Selbstbewusstsein.

Claudia Klöckner (links) in der kasachischen Steppe.

Für den Münchner Dieter Scholz (71) ist eine Überlandfahrt zweimal im Jahr das schönste Hobby. Im Winter geht es mit anderen Abenteuerlustigen in alten Autos, die extra gekauft und am Zielort mit Gewinn wieder verkauft werden, von München durch Marokko bis nach Guinea-Bissau, im Sommer von München durch Sibirien über Kasachstan und Kirgisistan nach Tadschikistan – fast 9.000 Kilometer in drei Wochen!

Seine Tochter Claudia Klöckner hat ihren Vater, der die Touren wie seine Westentasche kennt, schon dreimal begleitet: zweimal gen Süden und einmal gen Osten. So was würde mich auch mal reizen. Vielleicht klappt es sogar, wenigstens als Beifahrerin. Es werden übrigens noch MitfahrerInnen gesucht.

Gerade richtig zum Weltfrauentag hier der Bericht von Claudia Klöckner, vielleicht eine Motivation für Frauen, die gern Auto fahren und für ein Reiseabenteuer offen sind.

Wenn ich über die Asien-Tour von München nach Tadschikistan erzähle, höre ich oft den Einwand:
„Aber das ist doch nicht schön…, im Urlaub will ich es doch schön haben.

Nun ja, das ist richtig. Wenn man es „schön“ will im klassischen Sinne, ist man hier fehl am Platz. Dann ist ein Badeurlaub passender. Aber wer ein Abenteuer erleben will und Neuem gegenüber aufgeschlossen ist, der ist hier goldrichtig. Eine Reise durch so viele Länder… und dann noch dazu durch so außergewöhnliche Länder: Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan. Das wollte ich sehen!

Von München durch viele unbekannte Länder bis nach Duschanbe in Tadschikistan – fast 9.000 Kilometer.

Wir sind vier Autos: zwei Ford Transit, ein SsangYong und ein Volvo Kombi. Bei dieser Tour (anders als bei der Afrika-Tour) braucht man keinen Geländewagen. Zwei Teilnehmer fahren allein und die vier anderen teilen sich ein Auto.

Polen – Litauen – Lettland

In Polen reparieren sie auch am Sonntag Autos.

Am Freitag um 14:00 Uhr ist Abfahrt! Die erste Nacht sind wir in Polen in einem urigen Hotel, das gebaut und angelegt ist wie eine Burg. Preis € 25 für das Doppelzimmer, ½ Liter Bier für € 1,20. Am nächsten Tag geht es weiter und ich bin sehr überrascht, wie schön es in Polen ist. Saubere, kleine Dörfer mit der Kirche am Marktplatz, Masuren – eine herrliche Landschaft, wirklich schön.

Nach kurzer Fahrt durch Litauen verbringen wir eine Nacht in Lettland auf einer Art Campingplatz. Statt Zelte kleine Holzhäuschen, direkt an einem See. Ist im gleichen Preissegment wie in Polen.

Und dann Russland!

Wirklich beeindruckend. Der Moloch Moskau (eine Übernachtung am Rande Moskaus, Doppelzimmer € 25 sauber und modern) mit zehnspurigen Straßen, riesigen Werbereklamen und endlose, gefühlt 20-stöckige Plattenbauten. In jedem Lokal hängt ein Fernseher, in dem ununterbrochen politische Sendungen gezeigt werden, Kriegsdokumentationen mit Aufmärschen usw.

Borschtsch, das russische Nationalgericht, ist eine gehaltvolle Suppe.

Beim Tanken herrscht in Russland Vorauskasse. Man muss einen bestimmten Betrag an der Kasse zahlen, erst dann wird die Benzinsäule geöffnet. Wenn man voll tanken will, muss man halt schätzen. Die Landschaft: endlose Birkenwälder. Hinter dem Ural die sibirischen Dörfer, genau so, wie man sich das vorstellt, mit kleinen Häusern und blauen Zäunen. Ein (schlammiger) Weg in der Mitte und aus diesem besteht das Dorf. Auch sehenswert: die russisch-orthodoxen Kirchen.

Und natürlich nicht zu vergessen: die russische Küche!
Ich habe sehr gut gegessen, besonders natürlich Borschtsch. Das ist d a s russische Nationalgericht: eine deftige Suppe mit Rindfleisch, Kartoffeln, rote Beete, Dill und den berühmten Sahnekleks obendrauf. Borschtsch habe ich in fast jedem Lokal probiert und natürlich Schaschlik. Schaschlik hat uns von Russland bis Tadschikistan begleitet.

Und dann Kasachstan!

Man glaubt es kaum, aber gleich hinter der Grenze Russland–Kasachstan schauen die Menschen ganz anders aus. Es sind relativ kleine Menschen mit Schlitzaugen, eine Tendenz ins Mongolische. Sie sind freundlich, aber eher zurückhaltend. Was man von der kasachischen Verkehrspolizei nicht behaupten kann. Wir sind auf der ganzen Reise nirgends so oft angehalten worden wie in Kasachstan. Sind wir zu schnell gefahren oder über eine durchgestrichene Linie oder (natürlich unabsichtlich) bei Rot über die Ampel, sie sind immer gleich da! Gegen eine geringe Strafe geht es dann aber immer bald weiter.

Wir sind in der Hauptstadt Astana, bewundern dort die berühmte Architektur der Innenstadt. Astana ist modern, laut, viele Touristen. Was für ein krasser Gegensatz dazu das Land und die Steppe. Die kasachische Steppe ist unendliche Weite… blauer Himmel… wilde Pferde… Und dort mitten in der Steppe haben wir übernachtet. Die Farben und der Sonnenuntergang sind einmalig. Dazu ein Lagerfeuer und ein kühles Bier. Ein Traum. Was will man mehr.

Nach diesem Nachtlager kommen wir durch eine kleine Ortschaft. Bei uns würde man nicht Ortschaft dazu sagen, es ist ein Bauernhof und ein paar Häuser drumherum. Kinder spielen draußen. Ich schenke einem Jungen ein Käppi und einen Tennisball. Nach ein paar Minuten kommt er wieder und will die Sachen zurückgeben. Seine Mutter dachte wohl, sie muss die Sachen bezahlen. Es dauert lang, bis wir ihr klar machen können, dass das Geschenke sind.

Eine Auffahrtrampe zum Auto reparieren und dazwischen spielende Kinder.

Diese Frau gewährt uns freundlicherweise einen Einblick in ihre „Wohnung“. Es ist ein altes Steinhaus, ein Raum, ich nehme an, es ist die Küche mit Wohnzimmer zusammen, mit – wir würden sagen – lauter Gerümpel drin, kein Tisch, kein Stuhl, nur ein Ofen mit offenem Feuer, auf dem ein Topf mit Wasser steht. Als der Vater erscheint, schenken wir ihm Zigaretten und unsere Matratze. Er strahlt über das ganze Gesicht, ich glaube sogar, er hat sich über die Zigaretten mehr gefreut als über die Matratze.

Und dann Kirgisistan!

Kirgisistan ist cool. Die Menschen sind locker, freundlich und irgendwie lustig. Die ersten Jurten tauchen auf. Immer höher geht es den Pamir-Highway hinauf, und je höher wir kommen, desto weniger Menschen und Dörfer sieht man. Die Höhe hat es in sich. Man atmet schwerer, fühlt sich etwas schwerfällig, aber insgesamt vertrage ich es gut. Das atemberaubende Panorama entschädigt für jede Strapaze. Dafür bin ich auf dem „Dach der Welt“. Unvergesslich.

Wir übernachten weit oben in einem Guest house, in der Nähe des Pik Lenin, dem höchsten Berg im nördlichen Teil des Pamir. Mit 7.134 m ist er der zweithöchste Gipfel. Wirklich abenteuerlich. Es ist keine Jurte, sondern ein richtiges Zimmer, und ich habe einen Raum für mich allein. Für die Vermieterin ist es anscheinend etwas merkwürdig, dass jeder einen Raum für sich haben will. Sonst werden dort nämlich in den Räumen (Schlaf-)Teppich an (Schlaf-) Teppich gelegt, bis das Zimmer voll ist.

Auch in Hotels wird übernachtet: bunt, sauber, günstig.

Da liege ich also allein in meinem Zimmer, im Gebirge, auf dem Hochplateau, und draußen pfeift ein eisiger Wind. Es ist ziemlich kalt, weil der Boden und die Mauern nur mit Teppichen belegt und behängt sind, und ich friere. Ich kann jetzt wieder die Stimmen hören, die zu mir sagen: „Warum tust du dir das an? Das ist doch nicht schön, im Urlaub will ich es doch schön haben…“

G e r a d e  d e s h a l b mache ich es ja. Ich will es nämlich nicht schön haben, ich will ein Abenteuer erleben. Und so eine Tour ist ein Abenteuer. Es ist zwar im groben die Route usw. geplant, aber trotzdem weißt du nicht, wie es dort ist und wo du morgen bist. Fazit: Nächstes Mal mehr warme Kleidung mitnehmen.

Übrigens, das ist das billigste Zimmer der ganzen Reise. € 4 die Nacht. In Kirgisistan übernachten wir dann noch einmal in der schönen Stadt Osch in einem Hotel. Doppelzimmer für € 20. Bad, Balkon, sogar ein Swimminpool ist vorhanden und eine Bar. Kann man nicht meckern. Und in einem kleinen Laden ums Eck kaufe ich mir gefüllte Kartoffeltaschen. Einfach köstlich. Das Stück für 30 ct. Mit vier Stück bin ich richtig satt.

Und dann Tadschikistan!

Teppichwäscherinnen am Straßenrand.

Tadschikistan ist ein wunderschönes Land mit gigantischen Landschaften. Hier erreichen wir den höchsten Punkt unserer Reise: den Aqbaital-Pass mit 4.655 Meter Höhe. Das ist der höchst gelegene Pass der ehemaligen Sowjetunion. Dann geht es langsam wieder in tiefere Gefilde. Wir fahren den Fluss Pandsch entlang, der teils reißend ist. Er trennt Tadschikistan von Afghanistan.

Und wieder genießen wir einmalig schöne Ausblicke. Es ist warm, die Sonne scheint und der Himmel ist endlos blau. Pferde, die durch die Dörfer laufen, blühende Obstbäume, Teppichwäscherinnen am Straßenrand. Ich möchte mich fast dazu hinreißen lassen zu sagen: Hier hat es mir am besten gefallen. Zu guter Letzt geht es dann in die Hauptstadt Duschanbe, eine durchaus sehenswerte Stadt. Hier verkaufen wir im Autokino unsere Autos, bevor es wieder mit dem Flugzeug nach Hause zurück geht.

Ein paar Worte übers Essen

Wir gehen sowohl in Restaurants essen, verzehren aber auch selbst Mitgebrachtes. Von meiner Afrikareise (die gleiche Abenteuertour, aber durch Westafrika) weiß ich, was praktisch und was weniger praktisch ist. Ich nehme zum Beispiel keine Gläser mit (Gurken, Wurst, Marmelade), weil es doch manchmal holprig wird und wenn dann so ein Glas platzt und das Gurkenwasser ausläuft.. das muss ja nicht sein. Bewährt haben sich Dosen wie Ravioli, Suppen, Thunfisch etc., gekochte Eier, fertige Bratkartoffeln und auch verschweißte Wurst wie Salami, Pfefferbeisser etc. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Brot, Käse, Obst und Wasser überall kaufen kann.

Wenn ich Frauen von unserer Asien-Tour München–Tadschikistan erzähle, kommt unweigerlich der Satz :
„Also für mich wär das nichts, wenn ich nicht duschen kann, nee das geht gar nicht …“ 

Abenteuerliche „Feldküche“ im Auto: Dosen aufwärmen unter Matratzen.

Dabei ist das überhaupt kein Problem: Man kann fast jeden Tag in einem Hotel übernachten, wenn man möchte. Und wenn wir lagern, gibt es mit Waschlotion getränkte Tücher für Körper und/oder Gesicht, mit denen man gut mal einen Tag ohne Dusche überstehen kann. Zähneputzen, Gesicht und Hände waschen ist ja immer möglich, Wasser hat man schließlich immer dabei. Außerdem… bei so einer Abenteuertour etwas verwegen auszusehen, das gehört doch dazu, oder?

Ich habe während der Reise auch das Gefühl genossen, dass man alles, was man braucht, im Auto dabei hat: Klamotten, Schlafsack, Kissen, Decken, Essen und Trinken, Kocher, Matratze, mein Rucksack mit all meinem persönlichem Krimskrams. Das Auto ist das Zuhause. Das ist irgendwie heimelig. Was das Fahren angeht: Wenn man es sich teilt, fährt jeder ca. 4 Stunden am Tag. Das ist vollkommen in Ordnung, finde ich.

Ein echtes Abenteuer

Da ich aus eigener Erfahrung weiß, welche Bedenken Frauen haben, an so einer Reise teilzunehmen, wollte ich es einmal aus Frauensicht erzählen. Ich hoffe, ich konnte bei der ein oder anderen Mitfahrerin in spe die Bedenken verringern. Es ist ein echtes Abenteuer und dieses Jahr im August bin ich auf jeden Fall wieder dabei.


Weitere Informationen, noch mehr Bilder, Videos und Anmeldungen unter:
http://cms.rallye-muenchen-russland-himalaja.de/
http://cms.xn--rallye-mnchen-afrika-wec.de/
abenteuer-reisen-touren.info

 

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