Lost and found in Samaná

Muchas Gracias an die POLITUR (Policia de Turismo)
in der Dominikanischen Republik

Bienvenidos in Santa Bárbara de Samaná auf der Halbinsel Samaná. Von hier aus starten die Schiffe zu Delphinbeobachtungen. Sie liegt am Nordufer der Bucht (Bahía de Samaná), die auch berühmt für ihre Buckelwale ist, die zwischen Mitte Januar und Ende März zur Paarung hierher kommen.

Was tun, wenn man oder frau auf Reisen verloren geht, kein Geld dabei hat, kein Wifi in der Nähe ist und man sich nicht verständigen kann? Mir ist das passiert in Samaná (Santa Bárbara de Samaná) auf der Halbinsel Samaná in der Dominikanischen Republik. I got lost und wurde auf wundersame Weise von hilfsbereiten Einheimischen und von Maria-Gabriella, einer Polizistin der POLITUR, die sich um die Sicherheit von Touristen kümmert, gerettet. „Siempre estamos para servile“ (Wir sind immer für Sie da), schrieb sie mir später über WhatsApp, als ich mich für ihre Hilfe aus tiefstem Herzen bedankte.

Mit dem Guagua von Las Terrenas nach Santa Bárbara de Samaná

Nach unserem allmorgendlichen, unvergesslich bleibenden Frühstück am Strand von Las Terrenas wollten wir einen Tagesausflug nach Samaná-Stadt unternehmen. Für die Fahrt dorthin wählten wir den (Mini-)Bus „Guagua“ ab Las Terrenas City.

Jeden Morgen, bis auf 1-2 Regentage, Breakfast on the Beach. Ein unvergesslich schöner Start in den Tag!

Der Guagua-Bus startet gegenüber dem Friedhof in Las Terrenas und fährt quer über die Halbinsel Samaná durch El Limón, bekannt für seinen beeindruckenden Wasserfall Salto El Limón. Die abwechslungsreiche, etwas über eine Stunde dauernde Fahrt durch die hügelige Landschaft mit Einheimischen und Touristen kostet 200 DOP (Dominikanische Pesos), umgerechnet etwa 3 US-Dollar oder knapp 3 EUR. und ist in bar zu zahlen. So weit, so gut.

Ein Tag in Samaná City mit Nachwehen

Wir verbrachten einen schönen Tag in Santa Bárbara de Samaná, spazierten dort über drei Meeresbrücken mit weiten Ausblicken (bei Sonnenuntergang wahrscheinlich sehr romantisch) und entdeckten einen tollen Badestrand unterhalb des auf einem Hügel liegenden luxuriösen Eurostars-Hotels Grand Cayacoa mit Aufzug hinunter zum Strand und hoch zum Hotel. Hier blieben wir eine Zeitlang am und im Meer. Herrlich!

Farbenfrohes Haus bei der Einfahrt in Santa Bárbara de Samaná
Brücken sind das Wahrzeichen der Stadt Samaná. Sie laden zum Spazierengehen ein. Der Anfang der Brücke liegt an der Uferpromenade.

Am späten Nachmittag brachen wir zum Rückweg auf. Wir wussten nicht, wo in Samaná sich die Bushaltestelle für den Guagua-Bus nach Las Terrenas befindet und suchten eine Zeitlang vergebens. Die Haltestellen sind nicht gekennzeichnet und die Plätze kennen nur die Einheimischen. In einem Markt fragten wir auf Englisch, doch keiner verstand uns. Die Dominikaner sprechen so gut wie kein Englisch, nur Spanisch und das sprechen wir nicht.

Tricky: Die Sache mit den einheimischen Bussen

Eine junge Frau verstand nur das Wort „Bus“ und bot mir an, mich auf ihrem Motorrad zum Bus zu fahren. Michal meinte: „Ja, mach das, ich komme zu Fuß nach.“ Gesagt, getan. Ich stieg auf den Rücksitz des Motorrads und sie fuhr mit mir die Hauptstraße immer geradeaus. Sie fuhr und fuhr – für mich eine kleine Ewigkeit -, bis sie an einem großen Platz, einem Busterminal (Parada Asotrapusa Samaná), hielt und mich absteigen ließ. Hier parkten viele Busse, es war geschäftig, laut und heiß, die Luft war abgasgeschwängert.

Ich wartete mit der Motorradfrau auf Michal, doch der kam und kam nicht. Da fiel mir auf einmal siedend heiß ein, dass mein Geld mit Pesos und Dollars, das ich normalerweise in einer kleinen Gürteltasche um die Hüfte trage, bei Michal geblieben war. Dafür hatte ich den Rucksack auf dem Rücken, in dem kein Geld, nicht mal 200 DOP (Dominikanische Pesos) für die Busfahrt, waren. In meinem Handy war auch keine lokale SIM-Karte, weil wir nur im Hotel über das Internet ins Netz gingen. Mobile Daten in der DomRep einzuschalten ist irre teuer.

Irgendwie konnte ich der Motorradfrau zu verstehen geben, dass sie zurückfahren und Michal unterwegs abholen soll, was sie auch tat. Nach einiger Zeit kam sie zurück… ohne ihn. Ich machte ihr klar, dass wir nochmal den ganzen Weg zusammen zurückfahren, vielleicht konnte ich ihn unterwegs irgendwo entdecken. Doch auch das war vergebens.

Wir fuhren wieder zum Busterminal zurück und sie zog mich in einen Laden. In mein Handy steckte sie eine SIM-Karte, doch das Telefonieren funktionierte nicht, weil in Michals Handy auch keine lokale SIM-Karte steckte. Als sie sah, dass all ihre Bemühungen vergebens waren, zog sie Reißleine, setzte sich auf ihr Motorrad und fuhr davon.

Motorräder und Quads sind allgegenwärtig, hier vor unserer Unterkunft in Las Terrenas.

Vor Angst in Schockstarre

Ich blieb zurück, stand und wartete am Rand des Busterminals, an dem die Autos vorbeirauschten und man sein Wort kaum verstehen, geschweige denn klar denken konnte. Ich war vom Gehen und der Hitze verschwitzt und hungrig. Als ich kapierte, dass die Motorradfrau nicht mehr zurückkommt, sprach ich einige Busfahrer auf Englisch und mit meinem Espagnol poquito an, ob sie nach Las Terrenas fahren, doch sie verstanden mich nicht. Ich stand da, apathisch, schaute immer noch, ob Michal nicht doch noch irgendwo auf der Straße auftauchte und wusste nicht, was ich tun soll. Mein Hirn war wie leergefegt. Angst lähmte es, versetzte mich und meinen Körper in Schockstarre. Das Einzige, was mir einfiel, war: Vielleicht gibt es hier eine Polizeistation. Aber wo?

Als ich in meiner Apathie innerlich alles losgelassen hatte und leer war, ergriff jemand plötzlich meinen Arm und führte mich ein paar Schritte weiter zum Stand eines Orangenverkäufers, der ein paar Worte Englisch verstand. Er wollte wissen, woher ich komme und ob es eine Dominikanerin war, die mich stehen gelassen hatte. Ich bejahte und sagte: „De Alemania.“ Er war ununterbrochen damit beschäftigt, seine Orangen zu schälen und sie an hungrige oder durstige Menschen zu verkaufen. Zwischendurch gab er mir immer wieder zu verstehen, dass ich an seinem Stand warten solle, er würde mir helfen.

Am schönen Playa Morón steht diese imposante weibliche Statue. Es ist Anacaona, eine indigene Taino-Führerin (Cacica) aus der Zeit vor und während der spanischen Kolonisation. Sie gilt in der Karibik als Symbol für Würde, Widerstand und kulturelles Erbe.

Was dann geschah, war wie ein Wunder

Als er gerade mal keine Orange schälte, drückte er mir 100 Pesos in die Hand und führte mich zu einem Bus. Aus seinem zahnlosen Mund lächelte er mich an, ich solle mit den 100 Pesos bis nach El Limón fahren. Ungläubig nahm ich das Geld, fragte nach seiner Handy-Nummer, seiner Adresse und ob er PayPal habe. Er schüttelte den Kopf, hatte nichts von alldem, kritzelte mir nur seinen Namen auf ein kleines Stück Papier. Das gab er mir. Jeder hier in Samaná kenne ihn, sagte er mir noch, dann war er wieder busy an seinem Obststand.

Ich stieg in den Bus ein, gab dem Fahrer die 100 Pesos und überlegte, wie ich von El Limón, etwa die Hälfte der Busstrecke, weiter nach Las Terrenas komme. Neben mir im Bus saßen zwei Frauen aus El Limón, wo wir bei Saulo zuhause, ein paar Tage vorher, zum vorzüglichen Essen eingeladen waren. Saulo alias Pablo Nr. 10 (so nennt er sich am Strand, wenn er sich den Touristen als Guide anbietet) hatte mit uns zuvor den Wasserfall besucht. Ich erzählte den Frauen, dass ich Saulo aus El Limón kenne, sie wiederum kannten Saulo – sein Name war ein Simsalabim-Türöffner. Unsere Konversation ging mithilfe von Google Translator hin und her. Ich sagte ihnen, dass ich von El Limón nach Las Terrenas weitermüsse. Die jüngere der beiden Frauen bot mir an, mich auf ihrem Motorrad hinzufahren. Die zweite Frau, die mich am gleichen Tag auf ihrem Motocicleta mitnehmen wollte. Doch dazu kam es nicht, denn – oh Wunder – es geschah etwas ganz anderes….

Die POLITUR im Dienst der Touristen

In El Limón angekommen, öffnete sich die Bustür, jemand ergriff meinen Unterarm und zog mich zu einem wartenden Pick-up Auto. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Wieder war es eine junge, dunkelhäutige Frau, dieses Mal in Uniform: oben weißes Hemd, unten blaue Hose. Dann setzte sie sich im Auto neben mich auf die Rückbank und gab mir 100 Pesos. Auf Spanisch sagte sie, dass ich sie dem Fahrer geben solle, wenn wir in Las Terrenas ankommen. Von wem hatte diese Frau erfahren, dass ich kein Geld habe und noch weitermusste?

So jung und hübsch sind die Polizistinnen der POLITUR, links Maria-Gabriella.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass sie von der POLITUR, einer in der DomRep für den Schutz und die Sicherheit der Touristen zuständige Polizistin, war. Bevor sie unterwegs ausstieg, tauschten wir noch unsere WhatsApp-Nummern aus. Ich erfuhr, dass sie Maria-Gabriella hieß. Sie war die zweite Einheimische, die mir an diesem Tag half, aber nicht die Letzte.

Nachdem die nette POLITUR-Polizistin ausgestiegen war, stiegen zwei Französinnen ein und setzten sich neben mich. Einer von ihnen erzählte ich von dem wundersamen Vorfall auf Englisch. Vorne neben dem Fahrer fiel mir ein schweigsamer, gut gekleideter, dunkelhäutiger Mann auf, der ununterbrochen Tic Tac-Kügelchen in seinem Mund verschwinden ließ. Er schien sie zu fressen.

Drei hilfsbereite Dominikaner in Samaná

Nachdem die Französinnen ausgestiegen waren und mir viel Glück gewünscht hatten, drehte sich der Tic Tac-Mann zu mir um und sagte in einwandfreiem Englisch, dass er meine unglaubliche Geschichte mitgehört habe und mich gerne zu meinem Hotel in Las Terrenas bringen würde. Ich lehnte dankend ab, da ich den Weg vom Friedhof in Las Terrenas, wo der Pick-up mich absetzte, zum Hotel kannte und mich durch Gehen am Meer entlang beruhigen wollte. Als Bewegungsnaturell helfen mir Gehen, Joggen, Wandern, Yoga und Wing Chun beim Abbauen von Spannungen, Ängsten, innerer Unruhe etc. Der Tic Tac-Mann sagte noch: „I persist!“ (Ich bestehe darauf!), lenkte aber höflich ein, dass er dann wenigstens die 100 Pesos an den Fahrer für mich übernehmen wolle. Ich war sprachlos, nickte und bedankte mich und stieg aus.

Jetzt hatte ich 100 Pesos übrig und wusste sofort, was ich damit tun würde. Beim Sightseeing in Las Terrenas war mir eine „Italian Bakery“ aufgefallen. Schnurstracks steuerte ich darauf zu und fragte an der Theke, was ich für 100 Pesos bekomme. Die Verkäuferin deutete auf eine kleine Vanille-Dolce, die 70 Pesos kostete. Mit der süßen Leckerei und den restlichen 30 Pesos in der Tasche schlenderte ich am Meer entlang zurück zu unserem Hotel und genoss jeden Bissen.

Eingang zu unserem Hotel in Las Terrenas mit spanischem Liebeszitat: „El Amor nunca falla“ – Liebe scheitert niemals. Liebe versagt nie. ♥

In unserer Unterkunft „Colibri“ in Las Terrenas angekommen, war ich immer noch ziemlich aufgewühlt. Michal saß seelenruhig auf der Terrasse, er war kurz vor mir zurück gekommen. Der Bus, mit dem er in Samaná losgefahren war, ging nicht vom Busterminal ab, sondern an der Straße, war aber nicht als Bushaltestelle ausgeschildert. Das wusste die Motorradfahrerin nicht, die mich mitgenommen hatte. Sie wollte mir helfen, doch Bus ist nicht gleich Bus und Haltestellen gibt es viele. Das war nicht das einzige Missverständnis. Michal und ich hatten einmal über Mobile Daten am Handy miteinander telefoniert, als ich noch am lauten Busterminal stand und auf ihn wartete. Er verstand, dass ich kein Geld bei mir habe und an einem Obststand arbeiten würde, um das Geld für ein Busticket zu verdienen. Gesagt hatte ich ihm aber, dass mir ein Obsthändler Geld geschenkt hatte.

Was lerne ich daraus?

Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, wenn man ohne Geld unterwegs ist und sich nicht richtig verständigen kann. Ich habe erfahren, dass die Leute in der DomRep unglaublich gelassen, locker und hilfsbereit sind, auch wenn man ihre Sprache nicht spricht. Selbst viele junge Dominikaner sprechen und verstehen kein Englisch. Das hat mich dazu motiviert, meine Grundkenntnisse in Spanisch weiter auszubauen.

„Lost and found in Samaná“ war für mich wie eine göttliche Fügung. Ich bin sehr dankbar, sowas erlebt zu haben. Es hat auch meinen Glauben an die Menschheit gestärkt. Meine einheimischen Schutzengel waren sehr unterschiedlicher Natur und doch zutiefst menschlich: der zahnlose Obsthändler, die fesche Maria-Gabriella von der POLITUR und der smarte Tic-Tac Mann.

In Zukunft werde ich mein Geld stets bei mir (an der Frau) tragen, egal wo ich bin. In Zukunft werde ich vor Ort eine lokale SIM-Karte kaufen und in mein Handy stecken, so wie wir es schon in Costa Rica gemacht haben.

Jutta & Michal am Strand von Las Terrenas. Die Aufnahme stammt von einem glücklichen Italiener, der mit seinem Vater dort war, uns ansprach und anbot, uns zu fotografieren.

Oder noch besser: Vor der Reise eine eSIM für das jeweilige Reiseland kaufen, mit der man einfach und schnell ins Internet kommt und z.B. über WhatsApp telefonieren kann. Eine eSIM wie zum Beispiel die von Saily ist eine digitale SIM-Karte, die in den meisten neueren Handys eingebaut ist. Die eSIM funktioniert wie eine physische SIM-Karte, aber ohne dass man eine Chip-Karte ins Gerät einlegen muss. Wer kein eSIM-fähiges Handy hat, kann es mit einem Adapter für eSIMs versuchen, der in den Kartenslot gesteckt wird.

Auch werde ich, wenn wir zu zweit reisen, keine eigenen Wege mehr gehen, sollte es noch so verlockende Angebote geben. Lieber gemeinsam ankommen als allein stranden. Doch so kam ich zu meinem italienischen Dolce und hatte sogar noch ein paar Pesos übrig. Die wundersame Geldvermehrung in der DomRep. Muchas Gracias für diese unglaubliche Erfahrung!

Danksagung

Ein Lob auf die POLITUR (Policia de Turismo) in der Dominikanischen Republik. Die POLITUR poliert auch das Image der DomRep als sicheres Reiseland auf. 😊

Für alle, die in der DomRep auf Nummer Sicher gehen wollen, gibt es eine POLITUR APP auf Spanisch.

 

 

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